Das betäubungslose Schächten der Tiere in unserer Zeit

Vortrag von Dr. med. WERNER HARTINGER,

gehalten am 08.09.2000 anlässlich einer Vortragsreihe
der Tierschutzpartei in Berlin / Charlottenburg.

(Quelle: www.tierschutz-online.de )

(besonders interessante Abschnitte wurden rot markiert)

Meine Damen und Herren,
verehrte Tierfreunde,

mein Referat befaßt sich mit dem kontrovers und
heiß diskutierten Thema des betäubungslosen
Schlacht-Schächtens im Jahre 2000 aus
juristischer, medizinischer und religiöser
Sichtweise. Eigentlich wäre es gar kein
Diskussions-Thema, wenn alle Beteiligten ihre
Situationsbeurteilungen auf objektiver Basis
erarbeiteten sowie die jeweiligen Stellungnahmen
bei erforderlicher Kompetenz immer auf dem
Boden unserer Gesetzgebung und mit dem
Wunsche einer Klärung der Widersprüche
erfolgen würden.

Das ist nicht regelmäßig der Fall. Zu oft machen
unzutreffende und zweckgerichtete Darstellungen
und Auslegungen des als "Religionsgesetz"
interpretierten Tötungsverfahren der fleischlichen
Nahrungsproduktion zu einem langzeitig
schwelenden Zeitproblem, das ein reibungsloses
und achtendes Zusammenleben von Bürgern
verschiedener kultureller und religiöser Herkunft
erheblich beeinträchtigt.

Auf diese Weise ist ein Knäuel von
Halbwahrheiten, unbelegbaren Behauptungen
sowie medizinischen und juristischen
Unhaltbarkeiten entstanden, der von vielen
Menschen und Medien unentwirrt, völlig
unkritisch und mit unausgewogener Tendenz
weitergereicht wird. So entstandene Dissonanzen
wurden auch von Gerichtsurteilen unterhalten, die
für die breite Öffentlichkeit eine nicht
nachvollziehbare Gedankenakrobatik verlangten.

Aber nicht nur dadurch wurden die Tierschützer
unberechtigterweise vielfach einer rassistischen
oder gar antisemitischen Einstellung bezichtigt,
die das betäubungslose Schächten als unnötige
und tierquälerische Tötungsform bezeichneten und
als erfolglos im Hinblick auf die angeführte
religiöse Begründung einer "Ausblutung" der
Schlachttiere. Denn nachweislich verbleiben
immer beträchtliche Restmengen von Blut im
Körper des Tieres, in den Organen, in den
Gefäßen, der Muskulatur und in den Hohlräumen,
die mit dem Fleisch verzehrt werden, auch wenn
sie infolge der Speisenzubereitung als solche
nicht mehr zu erkennen sind.

Doch der Tierschützer, der sich gegen die
Robben-Tötungen ausspricht, ist deshalb kein
"Anti-Kanadier", der die Stierkämpfe ablehnt kein
"Anti-Spanier", der das Wal-Abschlachten
verurteilt kein "Anti-Japaner", der das Gemetzel
der Schafe am Kurban-Bayrami-Fest nicht
akzeptiert kein "Anti-Islamit" und derjenige, der
aus Tierschutzaspekten eine Partei-Richtung nicht
akzeptabel findet kein "Anti-Politiker" sondern
eben ein Tierschützer ... nicht mehr und nicht
weniger !

Viele Unstimmigkeiten sind auch durch die
Wortwahl mit unseriösem Gebrauch des Wortes
"schächten" hervorgerufen, mit dem die eindeutige
Handlung des "betäubungslosen
Schlacht-Schächten" der Tiere umschrieben und
interpretiert wird, als ob diese Form des Tötens
der Mitgeschöpfe von den ursprünglichen
Religionsvorschriften gefordert werden würde,
und keine Schmerzen verursachte! Es soll nun
versucht werden, mit belegbaren Begründungen
etwas mehr Klarheit in das Verwirrspiel von
Inkompetenz bis Zweckmäßigkeit der juristischen,
religiösen, medizinischen, physiologischen,
historischen und rechthaberischen Meinungen zu
bringen, was sicher nicht ohne "Schwierigkeiten"
gelingt.

* * *

In unserem Land wird der Umgang mit den
(Schlacht-)Tieren von zwei auf einander
abgestimmten Gesetzen oder gesetzesanalogen
Verordnungen geregelt. Das ist das
Tierschutzgesetz und das deutsche Schlachtgesetz,
das einheitlich auf Landesebene erstellt wurde.
Der § 1 des TSchGes hat Grundsatz-Charakter
und lautet: "Zweck des Gesetzes ist, aus der
Verantwortung des Menschen für das Tier als
Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden
zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne
vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder
Schäden zufügen!"
Der § 4a schreibt vor, daß
ein warmblütiges Tier nur geschlachtet werden
darf, wenn es vor Beginn des Blutentzuges
betäubt wurde! Ausnahmegenehmigung zum
betäubungslosen Schächten dürfen nur bei
zwingender Religionsvorschrift erteilt werden
und nur für Personen mit Wohnsitz im
Geltungsbereich des Gesetzes.
Das
betäubungslose Schlachten zu Exportzwecken ist
ausdrücklich und ausnahmslos verboten.

Gleichlautend wird im Schlachtgesetz die
Betäubung des Tieres vor dem Blutentzug
gefordert, das Aufhängen an den Hinterläufen vor
der Betäubung ist verboten und ein notwendiges
Fesseln ist erst unmittelbar vor der Betäubung
erlaubt.


Was eine zwingende Religionsvorschrift ist,
geht aus dem abschließenden Urteil des
Bundesverwaltungsgerichtes hervor: BVerwG
Urteil v. 15.6.95 3C31,93-150/95):
"Eine Ausnahme vom Verbot, warmblütige
Tiere ohne Betäubung zu schächten, kann nach
§ 4a Abs.2 Nr.2 TSchG zum Zwecke der
Nahrungsmittelversorgung nur zugelassen
werden, wenn objektiv festgestellt wird, daß
zwingende Religionsvorschriften einer
anerkannten Religionsgemeinschaft den Genuß
von Fleisch nicht geschächteter Tiere
verbieten. Eine individuelle
Glaubensüberzeugung oder Auslegung über
das Bestehen eines solchen Verbotes reicht
nicht aus!“
(Eingehende Besprechung dieses
Urteils ist in der Arbeit ,Religionsfreiheit!
Tierschutz/Schächten von RA
Prof.Dr.Dr.Dr.h.c.Klaus Sojka, Hamburg in der
Zeitschrift Agrarrecht Nr.2/1996 zu finden.)

Der Begriff "zwingend" besagt in seiner
juristischen und allgemeinen Bedeutung, daß bei
Nichtbeachtung der Anweisungen mit Strafen bis
zum Ausschluß aus der Religionsgemeinschaft
gerechnet werden muß. Weder aus dieser Sicht
noch im Hinblick auf den noch ausstehenden
Nachweis über das Bestehen einer solchen
Religionsvorschrift im rechtsverbindlichen Sinne
können die geforderten gesetzlichen Bedingungen
erfüllt werden. In allen zur Diskussion stehenden
Religionsgemeinschaften ebenso wie im
Christentum existiert nämlich die Anweisung, daß
beim Aufenthalt in der Fremde oder dort
wohnende Mitglieder sich den jeweiligen
Eßgewohnheiten anpassen dürfen. Nicht zuletzt ist
auch kein Religionsangehöriger durch
Vorschriften gezwungen Fleisch zu essen.
Als
weitere Begründung der Ablehnung von
Ausnahmegenehmigungen nach §4a TSchGes führt
das zitierte Bundesverwaltungsgerichts-Urteil
aus, daß es in der freien Entscheidung jedes
Einzelnen liege, aus Geschmacksgründen
Fleisch essen zu wollen. Eine Notwendigkeit
dies zu tun, bestünde nicht, da die fleischliche
Nahrung als Genußmittel einzustufen sei. Solche
fachlichen Beurteilungen und die angeführten
Ernährungsanweisungen "um den fremden Tisch"
haben dazu geführt, daß in 12 verschiedenen
europäischen Ländern seit Jahrzehnten das
Schächten der Schlachttiere ohne Betäubung
grundsätzlich verboten ist.

* * *

Bei Anträgen für die Genehmigung zum
betäubungslosen Schächten ist jede
Verwaltungsbehörde verpflichtet, auf die
gesetzlichen Bestimmungen zu achten und den
rechtsgültigen Nachweis über das Bestehen
einer zwingenden Religionsvorschrift zu
fordern. Das erfolgt nicht immer und die
"Großzügigkeit" geht dabei so weit, daß zur
Rechtfertigung von Ausnahmegenehmigungen
sogar "geschichtliche Verpflichtungen"
angeführt werden! Das teilte unter anderem der
Berliner Gesundheitssenator Peter Luther (CDU)
mit, wie die SZ am 16. Januar 1996 berichtete.
Damit wird eindeutig gegen die
Amtsermittlungspflicht verstoßen, wie sie in der
"Erläuterung zum
Verwaltungsverfahrengesetz" von Meyer /
Borgas / Maciejewski unmißverständlich
folgendermaßen beschrieben wird: "Die
Ermittlungspflicht erstreckt sich auf >alle den
Beteiligten bekannten Tatsachen und
Beweismittel<. Diese sind der ermittelnden
Behörde auch mitzuteilen und von dieser zu
berücksichtigen, wenn ihre
Entscheidungs-Erheblichkeit evident ist,
unaufgefordert. Im Übrigen auf Ersuchen der
Behörde. Das gilt ebenso für belastende und
sonstige nachteilige Momente!" Doch vielfach
werden von den Genehmigungsbehörden die
Meinungen von Religionsvertretern ungeprüft
übernommen und ihrer Entscheidung zugrunde
gelegt, daß es sich beim betäubungslosen
Schächten um eine religiös-rituelle Handlung im
Sinne der Religionsfreiheit nach Art.4 Abs.1 und
2 des Grundgesetzes handele.


Jedoch stellte schon der Bundesrat fest, dies sei
zwar der Ausdruck einer religiösen Grundhaltung,
aber kein Religions-Ritual entsprechend Art.4 GG
(BTD 10/5523).

Ebenso entschied der Europäische Gerichtshof
für Menschenrechte in Strasbourg:
Das unbetäubte Schächten der Tiere ist kein
religiöses Ritual und sein Verbot verstößt nicht
gegen die Religionsfreiheit.
Die jüdische
Vereinigung Char ' are Shalom ve Tsedek hatte
den französischen Staat dort verklagt, der das
Verbot des unbetäubten Schächtens anordnete und
diese Tötungsform als tierquälerisch einstufte.
(Az. 2741/95)
In unserem Lande führte die mitgeschöpfliche
Religionsauffassung zu der gesetzlichen Regelung
der Mensch-Tier-Verhältnisses. Die Abwehr
anderer philosophischer, weltanschaulicher oder
religiöser Denkweisen ist das legale und legitime
Recht jeder demokratischen Gesellschaft und
seiner Bürger. Der Aufenthalt von Mitgliedern
anderer Kulturen oder Religionen in unserem
Lande kann nicht automatisch zu einer Änderung
der Gesetze oder ihrer Anwendung führen.


* * *

Der in der Brüsseler Schächt-Lobby "European
Bord of Shechita" federführend tätige Rabbiner,
Veterinär und Autor des Buches "Shechita in the
Light of the Year 2000",
Dr.med.vet.M.Levinger,
hat gegenüber dem in
Zürich erscheinenden "israelischen Wochenblatt"
am 24.5.96 formuliert, es sei sein Ziel, in ganz
Europa die Schächt-Verbote aufzuheben.
Er
begründete diese Forderung mit der Aussage in
der Halacha: "wo ein Bedürfnis des Menschen
besteht, existiert kein Verbot der
Tierquälerei!"
(Zaar baal Hachlachjim) Auf
Seite 121 und 125 der englischen Ausgabe seines
erwähnten Buches schreibt er: Hartinger und
andere führten ein sehr wichtiges Argument
an, daß in der ganzen jüdischen
Religionsliteratur, einschließlich Bibel und
Talmud, kein Verbot einer Betäubung vor dem
Schächten zu finden sei. Das ist richtig!
(Zitat
Ende) Dagegen stellt er in einem Brief an den
Oberrabbiner von Israel L.M.Lau fest, daß die
jüdische Gesetzgebung das Betäuben der
Tiere vor dem Schächten verbiete und jede
Forderung nach einer Betäubung das Prinzip
der Religionsfreiheit verletze! Abgesehen
davon, daß er mit "jüdischer Gesetzgebung" seine
Auslegung der Religionsvorschriften meint, ist
kaum anzunehmen, daß der Oberrabbiner von
Israel einer diesbezüglichen Unterrichtung bedarf.
Auch ist nicht nur Levingers Kenntnis von dem
zitierten BVerwG-Urteil anzunehmen - daß
individuelle Glaubensüberzeugungen der
gesetzlichen Auflage einer "zwingenden
Religionsvorschrift" nicht genügen - sondern
ebenso der Umstand, daß in Deutschland wie in
jedem anderen Land die eigenen Gesetze
Grundlage solcher Entscheidungen sind. Auch
wenn Levingers Auffassung heute von "vielen -
aber nicht von allen" Rabbis getragen wird, steht
seine Interpretation der Fortentwicklung der
Religionsfragen - wie die Halacha als Teil des
erstmals 1565 in Venedig verfaßten jüdischen
Gesetz-Codex Schulchan-Aruch übersetzt heißt -
in auffallendem Gegensatz zu der vorbildlich
mitgeschöpflichen Einstellung des Alten
Judentums. Davon zeugt nicht nur der "Spruch
Salomos", wie er der Originalübersetzung des
Alten Testamentes zugeschrieben wird:

Errette die man zum Tode schleppt
und entzieh dich nicht denen,
die zur Schlachtbank wanken....
Sprichst du aber: ich habe nichts
gewußt,
fürwahr - ER, der die Herzen
prüft, weiß es!

sondern auch die damaligen
Religionsanweisungen legten ein beredtes Zeugnis
vom Wissen um die schöpfungsgemäße
Mensch-Tier-Beziehung ab. (Siehe Hartinger: das
Tier um Thora, Tenach und Talmud) Dort wurde
gefordert:

1. Man darf kein Tier kaufen, wenn man nicht für
seine Unterkunft und Nahrung gesorgt hat oder
dazu in der Lage ist.

2. Man darf kein Tier beim Fressen hindern, auch
nicht indirekt durch Trennung des Kälbchens von
der Kuh oder durch Geräuschentwicklung mit
Erschrecken.

3. Man darf sich nicht zu Tisch setzen ohne vorher
dem Vieh des Hauses Futter gegeben zu haben.
Die Störung des Essens zwischen Händewaschen
und Segensspruch darf nur unterbrochen werden,
um den Tieren das vergessene Futter zu bringen.

4. Um der Tiere Fürsorge willen darf selbst das
höchste jüdische Gebot - die Sabbatruhe -
unterbrochen werden, wenn deren Unterlassung
den Tieren Schmerzen oder Leid verursachen
würde.

5. Es ist verboten, dem Vieh Wild oder Geflügel
die Füße zusammenzubinden und es darf auch dem
Vieh nicht ein Fuß hochgebunden oder der
Vorderfuß mit dem Hinterfuß zusammengebunden
werden, um es so am Entlaufen zu hindern.

6. Man darf kein Lebewesen verschneiden
(kastrieren), weder Mensch noch Tier, Wild oder
Geflügel oder ihnen einen unfruchtbar machenden
Trank eingeben.

7. Es ist verboten, das Tier an einen Nichtjuden
zu verkaufen wenn man weiß, daß dieser es
verschneiden wird oder das Tier von einem
Nichtjuden verschneiden zu lassen.

8. Es ist von der Thora verboten, irgend ein Tier
zu quälen; ja man muß es aus seiner Qual erretten,
selbst wenn es einem Nichtjuden gehört.

9. Der weise Saadj lehrte, daß im Jenseits selbst
den vom Glauben Abgefallenen drei Verdienst
angerechnet werden, wovon eine der Schutz der
Tierwelt ist.

10. Zu Moses, der ein verlorengegangenes
Böcklein tagelang suchte und es wegen
Erschöpfung den ganzen Weg in den Armen
zurücktrug, sagte Gott: Wer dem ihm
anvertrauten Tieren solche Liebe erweist ist
würdig, Hüter meines Volkes zu sein! Der
historisch wohl bedeutendste Oberrabbiner
Hacohen-Kook verfaßte eine grundsätzliche
Erklärung zum Mensch-Tier-Verhältnis, die
gerade im Hinblick auf die angesprochene
"Fortentwicklung der Religionsfragen" von
Bedeutung ist:
"Es ist unvorstellbar, daß der Schöpfer, der die
Welt in Harmonie gewollt hat und eine
vollkommene Art der menschlichen
Lebensführung, nun viele Jahrtausende später
finden sollte, daß dieser Plan falsch war! Die
Herrschaft des Menschen über die Geschöpfe
besteht nicht in der Herrschaft des Tyrannen,
der sein Volk und seine Untergebenen quält,
um seine persönlichen Wünsche, Ansprüche
und Begierden zu befriedigen ...!"

* * *

Bei der anstehenden Novellierung des
Tierschutzgesetzes schickte ein deutscher
Tierschützer an die Legislative den in der
Mai-Ausgabe 1964 (!.) der jüdischen Zeitschrift
"Kultur und Gesundheit" erschienenen Bericht
über das Schächten:
"Das Rind wurde gefesselt, geworfen und liegt
auf dem Rücken. Seine Beine sind mit Ketten
gebunden und gegen die Decke gestreckt. Sein
Maul ist mit einem Eisenring am Boden
festgebunden. Der überspannte Hals wird in
seiner ganzen Tiefe bis auf die knöcherne
Wirbelsäule durchschnitten. Das Leiden ist
schrecklich! Das Blut fließt wie eine immer
stärker werdende Quelle. Das Todesringen
dauert viele unendliche Minuten!“


Ob der angeschriebene MdB Rosenbaum den
Bericht überhaupt gelesen hat!? Das
Abstimmungsergebnis ist ja allgemein bekannt!
Dieser Beschreibung des Schächtvorganges und
seiner Beurteilung als eine unnötige
tierquälerische Tötungsart wird von den
Schächtbefürwortern die Behauptung
entgegengestellt, daß das Tier überhaupt keine
Schmerzen empfinden würde. Der Blutverlust mit
der Blutleere im Gehirn würde zu einer sofortigen
Bewußtlosigkeit und Schmerzunempfindlichkeit
führen. Wer einmal einem Schächtablauf
beiwohnte und die vergeblichen
Schmerzreaktionen und Abwehrbewegungen des
gefesselten Tieres erlebte, dem sind solche
Aussagen absolut unverständlich. Was da vor sich
geht, wurde bereits beschrieben, sodaß ergänzend
die Blutversorgung des Gehirnes etwas genauer
betrachtet werden soll:


Neben unzähligen Gefäßanastomosen über die
Kopf- und Gesichtshaut wird das Gehirn von drei
paarig angelegten Gefäßsträngen versorgt, die
auch untereinander zahlreiche Verbindungen
haben. Sicher sind die arteriellen Verhältnisse
und die Gefäßanastomosen sowie deren
Nomenklatur bei den verschiedenen
Schlachttieren nicht identisch, aber
physiologisch-funktional weitestgehend gleich.


In den Weichteilen der Vorderseite des Halses
finden sich rechts und links je eine Schlagader,
ein weiteres Paar im knöchernen Skelett der
Halswirbelsäule und ein drittes Paar in der
Nackenmuskulatur, die wegen der horizontalen
Kopfhaltung der Tiere sehr stark ausgebildet ist.
Beim Schächtschnitt werden jedoch nur die zwei
vorderen Halsschlagadern durchtrennt, die
anderen vier Gefäße bleiben unverletzt und
funktionsfähig. Gleichzeitig wird das Tier an
seinen Hinterläufen hochgezogen und der Kopf
hängt nach unten. Dadurch dringt infolge des
orthostatischen Flüssigkeitsdruckes das
Körperblut über die intakten Gefäße in den
Kopfraum und eine Bewußtlosigkeit entsteht erst,
wenn fast das ganze Blut über diesen Weg
ausgelaufen ist und der Herzschlag aufhört.
Hier
muß ,fast" gesagt werden, denn das Tier blutet nie
ganz aus.
Immer bleibt eine Restmenge zurück,
die unabhängig von einer Betäubung vor dem
Schächten oder nicht, jeweils ungefähr 1/5 des
Gesamt-Blutvolumens beträgt, wie schon erwähnt
wurde. Der Oberveterinärrat und
Schlachthofdirektor Dr.med.vet. Klein aus
Remscheid hat mit einer Bildreihe bewiesen, daß
die Reaktionsfähigkeit und Orientierung des
geschächteten Tieres noch lange vorhanden ist
und daß es nach seiner Entfesselung aufsteht und
mit der entsetzlichen Halswunde vollorientiert
dem Ausgang des Schlachtraumes zustrebt.

Ähnliches ist auch in dem Buch "Tierschutz und
Kultur" von Manfred Kyber nachzulesen.
(1982, ISBN 3-922434-25-8)

Der Tierschutzverein der Stadt Basel , der
Wohnort von Levinger, beschrieb in seiner
Festschrift zum 125-jährigen Bestehen den
automatisierten Ablauf im sog. "Weinberg´schen
Umlegeapparat" wie folgt:

"Das Tier wird von hinten in den Apparat
getrieben, nur Kopf und Hals schauen aus der
oberen Öffnung heraus. Nun wird dieser um
180° gedreht und das von Panik erfasste Tier
liegt in Rückenlage. Mit einer Hebelzange
wird der Hals stark überstreckt und der
Schächter durchschneidet die Halsweichteile.
Die durchtrennte Speiseröhre, Luftröhre und
die Schlagadern liegen frei. Der erste Ochse
wehrte sich nach dem Schnitt noch etwa 8
Minuten lang, der zweite noch 10 Minuten. Das
Berühren der Hornhaut des Auges führte beim
ersten noch nach 6 Minuten zum Lid-Reflex,
beim zweiten noch nach 8 Minuten!"


* * *

Der bekannte Oberrabbiner Dr. L. Stein äußerte
sich in einem rabbinisch-theologischen Gutachten
über das betäubungslose Schächten der Tiere wie
folgt:


"Es ist im ganzen mosaischen Religionsgesetz
keine Spur zu finden, die das Töten eines zum
Genuß erlaubten Tieres mittels eines nach
zahlreichen strengen Regeln auszuführenden
Schnittes in den Hals - schächten oder shechita
- zu geschehen habe oder gar, daß ein Tier, bei
dem diese Handlung unterlassen wurde, zum
Genusse verboten sei!"


Nachdem der "Council of Justice to Animals
and Humans Slaughters Association" 1964 die
verbleibende Restblutmenge im Tier bestätigte,
stellte der berühmte jüdische Philosoph Leon
Pick fest: "Der Gläubige, der sich streng an das
göttliche Verbot eines Blutverzehrs hält, muß auf
den Fleischgenuß verzichten!"


Der Jude als Forderer des betäubungslosen
Schlacht-Schächtens der Tiere, ißt allerdings
selbst nur einen Teil des so getöteten Tieres; nur
ca. 20% des ursprünglichen Schlachtgewichtes.
Der restliche Teil gelangt ungekennzeichnet in den
allgemeinen Handel. Die Käufer können so nicht
erkennen auf welche Weise das Tier geschlachtet
wurde. Die schon lange geforderte Kennzeichnung
wurde vom Fleisch-Handel und dem Gesetzgeber
immer wieder abgelehnt. Die religiöse
Begründung dieser "Religionsvorschrift", nur den
vorderen Teil des Tieres zu essen, geht auf das 1.
Mose, 32 , 23-33 im Alten Testament zurück.

Dort wird der Kampf Jakobs - später Jabbok - mit
einem Engel beschrieben, aus dem das Wort "Ich
lasse dich nicht, du segnetest mich denn!"
entstammt:

23. ...und Jakob stand auf in der Nacht und nahm
seine beiden Frauen und die beiden Mägde und
seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok
24. nahm sie und führte sie über das Wasser,
sodaß hinüberkam was er hatte,
25. und blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit
ihm, bis zur Morgenröte.
26. und als er sah, daß er ihn nicht übermochte,
schlug er ihn auf das Gelenk der Hüfte und das
Gelenk Jakobs wurde beim Ringen mit ihm
verrenkt.,
27. Und er sprach: laß mich gehen, denn die
Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich
lasse dich nicht, du segnetest mich denn!
28. Dieser sprach: wie heißest du? Er antwortete:
Jakob!
29. Dieser sprach: Du sollst nicht mehr Jakob
heißen sondern "Israel", denn du hast mit Gott und
mit einem Menschen gekämpft und hast
gewonnen!
30. Und Jakob fragte ihn: Sag doch, wie heißest
du? Dieser aber sprach: Warum fragst du, wie ich
heiße? Und er segnete ihn daselbst.
31. Und Jakob nannte die Stätte "Pnuel" denn er
sagte: ich habe Gott von Angesicht gesehen und
doch wurde mein Leben gerettet! ( "Pnuel"
bedeutet "Angesicht Gottes")
32. Und als er an Pnuel vorüberkam, ging die
Sonne auf und er hinkte an seiner Hüfte!
33. Daher essen die Israeliten nicht mehr das
Muskelfleisch am Gelenk der Hüfte bis auf den
heutigen Tag, weil der Engel auf den Muskel am
Gelenk der Hüfte Jakobs geschlagen hatte.

Es handelt sich also gar nicht um eine
"Religionsvorschrift" sondern um eine nur schwer
nachzuvollziehende Folgerung aus einem
Bibelbericht. Denn was hat die Hüfte Jakobs mit
der eines Schlachttieres zu tun und welche
Überlegungen veranlaßten damals vor mehr als 3
Tausend Jahren, wegen des Kampfes Jakobs mit
dem Engel und der erlittenen Hüftschädigung
heute kein tierisches Muskelfleisch zu essen?
Welche Gründe sind ausschlaggebend dafür,
heute das Fleisch des ganzen tierischen
Hinterteiles nicht essen zu dürfen!? Das ist
deshalb für uns von Bedeutung, weil das von
jüdischen Kreisen und mehreren islamischen
Religionsgruppen geforderte qualvolle
betäubungslose Schächten aus Angst und Schmerz
beim Tier zu einer enormen
Streßhormon-Ausschüttung führt.
Normalerweise
werden diese Hormone in der Folgezeit abgebaut,
was hier jedoch durch den eintretenden Tod nicht
möglich ist. So verbleibt jeweils im Fleisch der
Schlachttiere eine schädlich hohe Konzentration
dieser verschiedenen Streßhormone.


Doch bisher ist dieser Aspekt im Zusammenhang
mit dem Schächten m. W. noch nie angesprochen
oder gar erörtert worden. Dabei ist es nicht nur in
der Medizin eine allgemein bekannte Tatsache,
daß vom menschlichen und tierischen Organismus
bei großen körperlichen Anstrengungen, bei
Angstzuständen, bei starken Schmerzen und bei
Schädigungen des Körpers sogenannte
Streß-Hormone produziert werden. Besonders bei
der Todesangst - die bei Tieren in Unkenntnis der
Schmerz-Ursache und seiner Dauer sowie beim
Unverständnis der äußeren Umstände immer
eintritt - reichem sie sich in großen Mengen im
Körper an. Infolge des eintretenden Todes werden
sie aber nicht abgebaut und gelangen mit
pathologischen Konzentrationen beim
Fleischverzehr in den menschlichen Organismus.


Dabei handelt es sich vorwiegend - aber nicht nur
- um Adrenaline, Apomorphine und Histamine
neben anderen pharmakodynamisch wirkenden
Substanzen.
Von den außerdem der Fütterung
beigegebenen, im Tier in größter Menge
verbleibenden Pharmazeutika wie künstliche
Wachstums-Hormone, Hydrocortisone, Stilbene,
Betablockern, Antibiotika, Östrogene,
Chemo-Vitamine und zahlreichen
Beruhigungsmittel und sog. "Aufbausubstanzen"
soll an dieser Stelle gar nicht gesprochen werden.
Das Roche-Medizin-Lexikon gibt über ihre
Wirkungen im Körper Auskunft: Adrenaline
(Epinephrin) ist ein Nebennieren-Hormon, das in
seiner natürlichen linksdrehenden Form die
Leitfähigkeit des gesamten Nervensystems
bestimmt und damit die Funktionalität des
biologischen Organismus. Häufig tritt es im
Zusammenhang mit Tumorerkrankungen auf. In
den Körper gelangt, führt es zu starkem
Blutdruckanstieg, zur Kontraktur der peripheren
Blutgefäße mit allen Begleiterscheinungen, zu
pathologischer Steigerung des
Herz-Minutenvolumens und zu wesentlichen
Veränderungen der normalen Hormon- und
Kreislaufverhältnisse, weswegen auch
tierexperimentelle Ergebnisse für den Menschen
unverwertbar sind. Die gleichen Wirkungen haben
auch alle anderen adrogenen Hormone. Der
erhöhte Adrenalin-Level bewirkt im
Erwachsenenalter beim Manne eine
Feminisierung mit entsprechender
Körper-Symptomatik und bei der Frau eine
Virilisation der Stimme, des Haarwuchses und
der Muskulatur. Vor der Pubertät entsteht bei
Mädchen ein Pseudo-Hermaphroditismus mit
Amenorrhoe und fehlender Brustentwicklung,
beim Knaben Hypogonadismus mit frühem
Wachstums-Stop der Glieder, also
Zwergenwuchs. Apomorphin wird als
Morphin-Abkömmling identifiziert, der dämpfend
auf das Atemzentrum wirkt, das Brechzentrum im
Gehirn anregt und die Muskulatur extrem
entkräftet bis lähmt. Bei hoher Konzentration führt
es zu starken Kopfschmerzen, Erbrechen,
Sehbehinderung durch Engstellung der Pupillen,
Harn und Stuhlverhaltung sowie Somnambulismus
bis zur Bewußtlosigkeit. Außerdem kann sich eine
unregelmäßige und unzureichende Atmung
einstellen, Kreislaufkollaps, Koma und eventuell
Tod durch Atemlähmung. Vergleichbare,
unterschiedlich starke Wirkungen sind von allen
Morphin-Substanzen bekannt.
Histamin wird in die große Gruppe der
Ergotamine eingereiht. Es ist ein weit im Körper
verbreitetes Gewebs-Hormon. In seiner inaktiven
Form ist es an Heparin gebunden und wird
vorwiegend in den weißen Blutkörperchen
gespeichert, in der Lunge, in der Haut, im
Magen-Darm-Trakt, im Gehirn, im Liquor, im
Speichel und ebenso im Blut-Serum. Es findet
sich praktisch überall im Körper.
Auch hier ist ein erhöhtes Vorkommen bei
Karzinom-Tumoren bekannt, was als
"Karzinoid-Syndrom" bezeichnet wird. In großen
Mengen entsteht es bei Gewebs-Zerstörungen, bei
Strahlenschädigung, bei Verbrennungen und bei
körperlicher Belastung, wobei es alle Formen der
Allergie hervorruft. Nur sehr langsam wird es
normalerweise im Körper abgebaut.
Alle Histamin und Ergotamine sind, bei
fehlendem chemisch-physikalischen Nachweis
ihrer Strukturunterschiede, streng art- und
individual-spezifisch. Darum führen sie in
fremden Lebewesen sehr häufig zu bedrohlich
akuter oder chronischer allergischer
Krankheits-Symptomatik. Diese reicht von
Herz-Rhythmusstörungen über Kopfschmerzen
und Blutdruck-Erhöhungen bis zu Hautreaktionen
und auch Kreislaufschwäche bis zum Kollaps
sowie zum allergischen Schock mit
gelegentlichem Exitus. Das soll nicht heißen, daß
solche markanten Folgen in jedem Fall klinisch
erkennbar auftreten, denn diese
Krankheits-Symptomatik hängt sowohl von der
jeweils aufgenommenen Menge, von der
Resorbier-Geschwindigkeit und von der
gegebenen Allergie-Disposition des Menschen
ab. Jedoch belegen diese vielfältigen Symptome,
daß bei ständiger oder übermäßiger Aufnahme
solcher hormonalen Fremdsubstanzen toxische
Veränderungen im Körper entstehen, die mehr
oder weniger akute Krankheits-Erscheinungen,
aber auch chronische Organismus-Schäden zur
Folge haben.

Darüber hinaus ist nicht bekannt, wie sich diese
Adrenaline, Morphine und auch Histamine zu den
noch vorhandenen anderen
chemisch-pharmazeutischen Substanzen verhalten,
die mit der Nahrung aufgenommen wurden,
welche Interaktionen oder metabolische
Abbauprodukte sie bilden - unabhängig von einer
immer vorhandenen mikrobakteriellen oder
viralen Verseuchung des tierischen Fleisches...
Solche weithin bekannten Umstände unserer
gesundheitsschädigenden Nahrung belegen die
Verpflichtung eines schonendsten Umganges mit
den Tieren, nicht nur aus tierschützerischer
Verantwortung. Wenn man schon glaubt, Tiere zu
Ernährungszwecken töten zu müssen, muß dieses
unerläßlicherweise absolut angst-, schmerz- und
streßfrei erfolgen.
Andernfalls finden sich neben
den jederzeit nachweisbaren problematischen
chemischen Futterbeimengungen auch noch die
Streßhormone in krankheitserregender
Konzentration im Fleisch.