Tierquälerei unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit!

 

Mit der Diskussion um das neue bundeseinheitliche Tierschutzgesetz ist auch wieder einmal das von Juden und Moslems praktizierte rituelle Schlachten, das Schächten, Thema der öffentlichen Auseinandersetzung geworden.

Schächten ist das Töten eines Tieres durch das Durchschneiden von Luftröhre, Speiseröhre, Halsschlagader und deren umliegenden Strukturen mit einem Messer OHNE vorherige Betäubung.

Ist dies eine berechtigte Form des Tötens oder unnötige Quälerei unserer Haustiere?

 

Eine Frage, die seit kurzem wieder in aller Munde ist und die Gemüter erhitzt. Befürworter und Gegner dieser Schlachtmethode vertreten Meinungen, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Ein Beispiel, welches jedem Tierschützer und jedem eigenständig denkenden Menschen vor den Kopf stoßen muß, bot der österreichische Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, der in der Fernsehsendung „Orientierung“ (3sat, 04.03.2004, 14:00 Uhr)

folgende Behauptungen von sich gegeben hat:  „Der Schnitt durch Halsschlagader, Speiseröhre und Luftröhre führt zum sofortigen Verlust des Bewußtseins des Tieres“,

„Das Messer ist so scharf, daß das Tier den Schnitt nicht spürt“ und „Aus Erfahrung wisse man, daß die Tiere keine Schmerzen erleiden“!

Auf die Frage der Moderatorin bzgl. Betäubung vor oder nach dem Kehlschnitt, meinte er,  eine Betäubung nach dem Schnitt wäre erlaubt. Dadurch wiederlegt er seine erste Behauptung, da es ja keinen Sinn machen würde ein schon durch das Schächten bewußtloses Tier zu betäuben! Wissenschaftlich haltbare Beweise werden von den Befürwortern, im Gegensatz zu den Schächt-Gegnern, meist nicht geliefert.

An dieser Stelle einige Ausschnitte aus Fachartikeln des Chirurgen Dr. Werner Hartinger (Ärzte gegen Tierversuche, Menschen für Tierrechte):

...jeder Mediziner oder Anästhesist mit operativer Erfahrung weiß, wie schmerzempfindlich Luftröhre und Speiseröhre sind, besonders aber der betroffene Kehlkopf, deren Verletzung selbst bei tiefer Narkose noch zu schweren reflektorischen Atemstörungen und Kreislaufreaktionen führt...

...durch die Durchtrennung verschiedener Nervenstränge kommt es zu einem Zwerchfellhochstand mit stärkster Beeinträchtigung der Lungenatmung, so daß das Tier neben seinen unerträglichen Schnittschmerzen auch noch zusätzliche Todesangst durch Atemnot erleidet. Diese Atemnot versucht es durch Hyperventilierung des Brustkorbes vergeblich zu kompensieren, was weitere Schmerzen verursacht und zu den schmerzhaft-angstvoll aufgerissenen Augen führt....

....Während des langsamen Ausblutens verstopfen vielfach die Gefäßenden der vorderen Halsarterien, sodaß regelmäßig nachgeschnitten werden muß. Und das alles bei vollem Bewußtsein des Tieres, weil beim Schächtschnitt die großen, das Gehirn versorgenden Arterien innerhalb der Halswirbelsäule ebenso wie das Rückenmark und die 12 Hirnnerven nicht durchtrennt sind und wegen der knöchernen Ummantelung auch nicht durchtrennt werden können....

...Hängt man dann das Tier noch an den Hinterbeinen auf, so bleibt es infolge der noch ausreichenden Blutversorgung des Gehirns und des lebensrettenden Phänomens, daß der blutende Organismus seine Durchblutung zugunsten von Gehirn, Herz und Nieren bis auf Null reduziert, praktisch bis zum Auslaufen der letzten Blutstropfen bei vollem Bewußtsein....

 

In vergangenen, wie in den aktuellen Diskussionsrunden zum Thema Schächten wurde und wird von den Befürwortern versucht, dieses doch sehr tierschutzrelevante Problem durch Vergleiche mit anderen, leider noch anzutreffenden tierquälerischen Vorgängen in Europa (Tiertransporte,..) als lächerliche Kleinigkeit darzustellen und mitunter mit der

Rassismus-Keule Tierschützer als Rassisten und Antisemiten öffentlich zu diffamieren.

Diverse muslimische Staaten und Organisationen, unter anderen auch der Rektor der Al-Azhar Universität in Ägypten, bestätigen jedoch, daß eine Betäubung des Tieres vor dem Schächten keine religiöse Vorschrift verletzt sofern es nicht beim Betäubungsvorgang stirbt. Ebenso findet sich weder im Talmud noch in der Bibel ein Verbot der Betäubung vor dem Schächten.

Das bedeutet im Klartext, dass es sich um eine reine Interpretationssache und nicht um ein geschriebenes „Gesetz“ handelt, nach dem vorgegangen wird.

Im Gesetzesentwurf des neuen bundeseinheitlichen Tierschutzgesetzes wird in §32, „Schlachtung oder Tötung“, auch auf das Schächten eingegangen.

Laut Abs.1 : „...darf die Tötung eines Tieres nur so erfolgen, daß jedes ungerechtfertigte Zufügen von Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwerer Angst vermieden wird.“

Unter Abs. 2 wird vorgeschrieben, daß ein warmblütiges Tier nur dann geschlachtet werden darf, wenn vor Beginn des Blutentzuges wirksam betäubt worden ist.

Als Außnahmen zur vorherigen Betäubung sind Notschlachtungen (wenn eine Betäubung nicht möglich ist) und das Schächten (sofern die zuständige Behörde eine Bewilligung erteilt hat) angeführt.

Diese Bewilligung darf jedoch nur erteilt werden, wenn ... „es erforderlich ist den Bedürfnissen dieser Religionsgemeinschaften zu entsprechen, denen zwingende Vorschriften ihrer Religionsgemeinschaften das Schächten vorschreiben oder den Genuß von Fleisch nicht geschächteter Tiere untersagen.“

Dies würde bedeuten, daß Schächten, sofern sich die zuständigen Behörden an das Gesetz halten, ohne vorherige Betäubung des Tieres nicht mehr gestattet werden darf.

Eine Religionsgemeinschaft kann ihren Angehörigen zwar zwingend vorschreiben kein geschächtetes Fleisch zu konsumieren, jedoch existiert keine anerkannte Religionsgemeinschaft, die seinen Angehörigen zwingend den Fleischgenuß (ob koscher oder nicht) vorschreibt. Ebenso gibt es, wie schon erwähnt, keine zwingende Vorschrift, welches das Betäuben vor dem Schächten verbietet!

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg stellte weiters fest, daß das unbetäubte Schächten der Tiere kein religiöses Ritual darstellt und ein Verbot dessen nicht gegen die Religionsfreiheit verstößt!

Es stellt sich die Frage, wo wir die Grenzen des Rechts und der Vernunft zur Religionsfreiheit ziehen. Auf der einen Seite verbieten wir (zu Recht) die unter Umständen sehr harte Rechtssprechung z.B. islamischer Völker bei diversen Verbrechen (Steinigung, lebendiges Begraben, Abtrennen von Gliedmaßen,...) oder die extreme Unterdrückung der Frauen, auf der anderen Seite sollen wir beim Thema Schächten beide Augen zudrücken.

Fest steht, beim Schächten wird Tieren unnötig Leid zugefügt. Dieser Sachverhalt wird als Tierquälerei bezeichnet. Tierquälerei ist verboten!

Einige europäische Länder haben dies schon vor Jahrzehnten begriffen und Schächtverbote erlassen.

Zur Zeit sind unter anderen in der Schweiz, Norwegen, Schweden, Island, den Bundesländern Tirol und Oberösterreich, sowie dem Fürstentum Liechtenstein das Schächten verboten. In Großbritannien, Frankreich und Dänemark ist das betäubungslose Töten nur unter Einhaltung strenger Auflagen erlaubt.

Summa summarum bringt es folgende berühmte Zitat von Mahatma Gandhi auf den Punkt: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt“!

 

 

 

 

© P.M. 2004